Lange Nacht der Kirchen

Rûah....

 

... ist Hebräisch für Gottes heiligen Geist, seine Lebenskraft, ihr Atem: die positive Antriebskraft für alles Leben. Sie hat viele Gesichter und an pfinGsten*, ihrem grossen Tag, möchten wir sie alle sichtbar machen. Deshalb sind wir auf der Suche nach ihr, nach seinem Wirken in dieser Zeit, in der sich der Pulsschlag unseres Lebens so verlangsamt und sich von ganz neuen Seiten zeigt.

 

  • Wo fandet ihr Trost oder auch Mut und Zuversicht in den letzten Wochen?
  • Was bereitete euch ungeahnte Freude?
  • Wie bahnte sich eure Kreativität ihren Weg?
  • Wo weht ein neuer Wind in eurem Leben?

 

Teilt mit uns eure Geschichten – denn ein einzelner, leiser Hauch wird in stürmischen Zeiten leicht überhört. Eine geballt pfingstliche Ladung einzelner, leiser Hauche vermag dem Orkan jedoch etwas entgegenzuhalten.

 

Herzlich

euer Pfarrteam der Kirchgemeinde Lauterbrunnen

 

 

 

*Kleine Eselsbrücke, für alle, die sich nicht merken können, was an pfinGsten gefeiert wird: pfinGsten ist das Wort mit «G» für «Geist» 😉

 

 

Erzählt uns eure Geschichten

Ihr könnt eure Geschichte gleich hier in unser Gästebuch posten oder schickt sie, gerne auch mit Bildern, an Pfr. Markus Tschanz (076 544 24 35) oder Pfrn. Olivia Raval: (079 610 69 05).

Kommentare: 3
  • #3

    Christine Paccaud (Mittwoch, 24 Februar 2021 12:33)

    Ich möchte mein persönliches Erlebnis vom Tod meines Vaters erzählen und damit Mut machen: Weil wir nur eine bestimmte Zeit voneinander getrennt sind (und denke dabei an alle, die jetzt eine Trauer zu verkraften haben, eine Leere überbrücken müssen und sich neu orientieren müssen, ohne den weggegangenen lieben Menschen leben, der vorher immer da war und einen grossen Platz in unserem Leben hatte): weil es einmal ein Wiedersehen gibt!
    Mein kerngesunder und sehr lebensfreudiger Vater starb im Dezember kurz vor Weihnachten mit 85 Jahren (er hatte den schönsten Tod, er durfte am Abend einschlafen, zügelte während der Nacht und wachte am Morgen auf der anderen Seite auf – er starb wie er lebte, friedlich und leise), und er wusste im Voraus, dass er gehen musste (da bin ich mir 100 % sicher!), dies zeigte uns, meiner Schwester von England und mir, sein Verhalten und was wir danach antrafen. Die Wohnung meines Vaters zum Beispiel war offen (sonst schloss er sie immer ab), in jedem Zimmer waren ein paar grosse leere Schachteln (damit wir Sachen, die wir eventuell noch von seiner Wohnung wollen, einpacken und mitnehmen können), der Estrich und der Keller waren leer, alle laufenden Rechnung waren bezahlt, jedes Zimmer war tiptop, und im Kühlschrank war nichts anderes,… ausser 2 unserer Familien-Lieblingsguetzli, 2 Mandarinli (Lieblingsfrucht meines Vaters), das Lieblingsessen meiner Schwester und mein Lieblingskäse… und auf dem Küchentisch da lagen 2 Schoggimäuse (...wir waren eben immer seine 2 kleinen Müüsli). Ich glaube, dass er uns noch vor seinem Abschied sein Weggehen so leicht wie möglich, so wenig schmerzlich machen wollte wie er nur konnte… weil er wusste, dass er uns fehlen würde! Ein letztes, sehr schönes Geschenk, das ich persönlich als eine letzte Liebeserklärung ansah.

    Ich bin sehr dankbar, dass ich meinen Vater fast 53 Jahre in meinem Leben haben durfte… er war ein sehr lieber Vater… so konnte ich ihn damals in Frieden und getrost doch auch ein bisschen dem Lieben Gott „leihen“, er wird ihn sicher für etwas ganz Wichtiges gebraucht haben… sonst hätte er ihn ja auch nicht zu sich gerufen ! Es tönt vielleicht ein bisschen komisch, aber für mich ist mein Vater eigentlich nur in eine andere „Wohnung“ umgezogen, wo es ihm sehr gut geht… und wo ich ihn später irgendeinmal wiedersehen werde… und darauf freue ich mich sehr!

    Auch bei seiner Beisetzung in der Kapelle erlebten wir etwas Schönes. Vorne sprach der Pfarrer über das Leben meines gegangenen Vaters, neben mir sassen 4 meiner Jungs und hinter mir, mein erster Sohn mit seiner Frau und meinem ersten Enkel klein Gaston, der frisch fröhlich vor sich hinplapperte. Ich fand dies ein sehr schönes Bild, eben genau wie das wahre Leben ist, ein ewiges Kommen (mit einem neuen Leben durch Gaston) und Gehen (von meinem Vater, der nun ging)…

    Persönlich glaube ich an den Lieben Gott und kann Ihnen durch viel konkret Erlebtes in meinem Leben versichern, dass er tatsächlich existiert… und dass er Sie ebenfalls sehr lieb hat und er Ihnen und Ihrer Familie gleichfalls auch jetzt beisteht, (auch wenn Sie ihn nicht sehen, ist er trotzdem da, weil er uns alle unsagbar und bedingungslos lieb hat)!!! Somit dürfen Sie sich (auch in Ihrer Trauer, die durchaus normal ist! Tränen befreien sehr schön! Und Männer dürfen durchaus auch weinen, weil das nämlich gut tut!) ebenfalls freuen, dass Ihr Familienmitglied nun da oben ist, dass es ihm gut geht, dass es dort sehr geliebt wird… und dass es manchmal vielleicht zu Ihnen hinunterschaut und sich fragt, wieso Sie denn so traurig sind ? Sind Sie nicht traurig für es, es darf da oben glücklich sein und es fehlt ihm bestimmt an nichts, es ist ja beim Lieben Gott in guten Händen! Sind Sie dankbar, dass Sie es solange bei sich auf Erden haben durften,… solch ein grosses Glück hat nämlich nicht jeder auf dieser Welt! …Unser Leben hier auf Erden geht noch weiter, wir dürfen noch viel erleben… unsere Zeit ist noch nicht beendet. Jeder Mensch hat in dieser Welt seinen eigenen, persönlichen Weg zu gehen.

    Mit dieser Hoffnung wünsche ich Ihnen viel Mut, eine Trauerzeit mit baldigem Frieden im Herzen, sowie ein freudvolles und gesundes 2021, mit einem neuen Anfang – Heben Sie sich gut Sorge… wir werden durch diese Corona-Prüfung danach bestimmt noch stärker sein, auf jeden Fall in der Solidarität untereinander!

  • #2

    Rev.Roger Scoones (Freitag, 17 Juli 2020 13:30)

    Thank you for the wonderful service , for the beautiful music, and for the many inspiring words. Thank you for the words spoken in English especially. Thank you for the prayers and thank you for live-streaming this unique occasion. God bless the family and the Community of Wengen, and all who mourn the loss of a great man, a dear Pastor and a servant of God.

  • #1

    McFlorsky (Montag, 25 Mai 2020 20:09)

    Ich hatte in den letzten Monaten nicht die einfachste, aber eine Zeit, in der ich mich viel mit mir selbst beschäftigte. Dann wurde letzten September ein Motorrad vorgestellt (klingt banal und sehr materialistisch). Das Motorrad wurde erst mit einem Livestream präsentiert, diesen habe ich natürlich live mitverfolgt. Nach dieser Präsentation wusste ich, das ist es, genau darauf habe ich schon lange gewartet. Als dann mein Vater im Spital lag, ging ich, um den Kopf etwas durchzulüften Motorrad fahren, Es war Intuition, eine Eingebung von oben oder vielleicht auch von meinem Vater, ich fuhr zum Motorradhändler und bestellte das Motorrad. Ich wusste es wird frühestens im März dieses Jahres geliefert, also begann das große Warten. Ich wurde kreativ, suchte Bilder, schaute Videos, ging im November spontan nach Mailand, um das Motorrad bei einer Messe live betrachten zu können, ja ich träumte viele Nächte davon und erzählte jeder und jedem der es hören wollte (oder auch nicht) davon. Ich merkte, auch wenn es nur ein Objekt ist, für mich wird dieses Motorrad eine sehr emotionale Sache. Habe ich doch viele Motorradtouren mit meinem Vater gemacht. Durch die kommenden Monate waren die Hintergrundbilder auf dem Tablet, das Bild, welches ich neben meinem Bett aufgehängt habe, immer eine Motivation, weiter zu machen, an mir zu arbeiten, dunkle Tage zu überstehen und mich aufzuraffen, wenn ich am liebsten im Bett geblieben wäre. Der März rückte immer näher, die Freude wurde grösser... dann Corona, das Werk in Italien muss schließen, heißt also länger warten.
    Zum guten Glück waren erste Testberichte verfügbar, was die Vorfreude noch mehr steigerte.
    Dann vor zwei Wochen, ein spontaner Besuch beim Händler, um zu fragen ob ich vielleicht das Testmotorrad einen Tag ausleihen könnte.
    Der Händler bittet mich in die Werkstatt... und da steht Sie noch eingepackt und nur halb fertig, es ist mein Motorrad.
    Dann nach warten auf die nötigen Formulare am 20.05.2020 der große Tag ich kann es endlich abholen, endlich wieder Motorrad fahren endlich mein Traummotorrad. Als der Mechaniker mir alles erklärt kullern mir Tränen über die Wangen, die letzten Monate kommen hoch in einem Moment und ich merke ich habe hart an mir gearbeitet, und das ist mein Lohn, mein Geschenk an mich selbst. Ich fahre los es ist ein Traum eine Freude ein warmes Gefühl (nicht nur vom Motor unter mir) überkommt mich, ich grinse und weine wahrscheinlich gleichzeitig im Helm. Das hat mir in der letzten Zeit viel Kraft gegeben, ja es ist nur ein Gegenstand und trotzdem ist es für mich deutlich mehr. Es ist Erinnerung, Trauer, Freude und Kraftspender. Wie Andrea Dovizioso es ausdrückte, „when the visor is down, it’s like the whole world around turns off, everything becomes silent and it is just me and my bike.“ Natürlich gab es in diesen letzten Monaten auch sehr viele Menschen, die mich unterstützt haben. Deshalb möchte ich an dieser Stelle diesen Menschen danken, dass sie die ewigen Erzählungen angehört haben und meine Euphorie geteilt haben.

Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last

und wandle sie in Segen.

Nun von dir selbst in Jesus Christ die Mitte fest gewiesen ist,

führ uns dem Ziel entgegen.

 

Der du allein der Ewge heisst und Anfang, Ziel und Mitte weisst

im Fluge unsrer Zeiten:

bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand,

damit wir sicher schreiten.

 

(Text: Jochen Klepper;
RG 554)