Geschichtliches

Lauterbrunnen

Im 13. Jahrhundert gehörte Lauterbrunnen mit seiner Umgebung zur Herrschaft Rothenfluh-Unspunnen, die damals die Herren von Wädiswil innehatten. Um 1300 gelangte der Bergbezirk durch Heirat teils an die Familie vom Turn-Gestelen, teils an die Weissburger, die sich in der Burg Weissenau einen Stützpunkt ihrer Macht im östlichen Oberland schufen. Johann von Turn, siedelte in dem ihm zugefallenen Talstück leibeigene Lötscher an. 1334 gelangte der weissenburgische Anteil im Zusammenhang mit der grossen Landschenkung an das Kloster Interlaken. 1346 verkaufte Peter vom Turn den Mönchen seine gerichtsherrlichen Rechte im Tal, und 1395 trat ihnen Anton vom turn den Rest des Familienbesitzes im Gebiet der Lütschine ab.

 

Lauterbrunnen teilte nun die Schicksale der Gotteshausleute und gelangte in der Reformation unter bernische Herrschaft. Gimmelwald gehörte als Lötscherkolonie mit den übrigen Siedlungen des hinteren Lauterbrunnentales den Herren vom Turn-Gestelen. 1244 besass Konrad von Därligen Hörige im Dorf. 1346 kam ein Teil der Rechte an die Augustiner in Interlaken, der Rest blieb in Händen weltlicher Machthaber und gelangte erst 1395 und 1396 von Anton zum Turn, Mathias Bogkess zu Diessenberg, Hans von Büren und Peter Miescher in Besitz der Mönche. 1416 verlieh Kaiser Sigismund dem Gerung von Lenxingen Lehen zu Gimmelswald.

 

Mürren

Mürren erschien urkundlich als «Muren» im Jahre 1257, 1345 als «Murn». Die Freiherren von Wädenswil besassen hier Rechte an Land und Leuten, die 1275 an Peter vom Turn, später an das Kloster Interlaken fielen, die Talschaft war früher nach Gsteig pfarrgenössig.

Wegen der weiten Entfernung und des beschwerlichen Weges erbauten die Bauern 1487 ein eigenes Gotteshaus, ohne vorher Propst und Kapitel in Interlaken zu befragen. Es kam deshalb zum Streit zwischen dem Kloster und seinen Untergebenen, den ein Schiedsspruch schlichtete, der die Kirche als eine Filiale von Gsteig erkannte. Der dortige Leutpriester musste in Lauterbrunnen in der Woche zwei Messen lesen und erhielt einen Teil der für den Unterhalt des Gotteshauses bestimmten Opfergaben. Da sich nun die Bevölkerung von Gsteig beschwerte, ihrer Mutterkirche würde durch die junge Gründung Abbruch geschehen, so erklärte Schultheiss und Rat 1506 die Propstei solle einen eigenen Priester nach dem Bergtal schicken. Lauterbrunnen wurde dadurch zu einer selbständigen Parochie erhoben.


Schulen, Kurort und die Eröffnung der Bahnen

Dank erfolgter Reformation gelangte der Kirchensatz aus den Händen der Mönche an den Staat. Der neue Bau einer Kirche datiert aus dem Jahre 1830. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es in Lauterbrunnen-Grund eine Talschule, in Wengen und Mürren-Gimmelwald je eine Bergschule. 1789 trennten sich die beiden Dörfer. 1799 unterrichtete in Lauterbrunnen-Grund der Landwirt Abbühl, in Wengen Jakob Schlunegger, in Mürren Christian Feuz und in Gimmelwald Christen von Allmen.

 

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden zu Hauri, Hohenalp, Steinberg Berghauversuche unternommen. In Sichellauenen und Trachsellauenen arbeiteten Hüttenwerke. Ebenso wandte sich die Bevölkerung der Glasfabrikation zu. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts führte Joseph Brunner die Strumpfweberei im Tale ein. Seit der zweiten Jahrhunderthälfte mehrten sich Bergfreunde und fremde Besucher, die zuerst im Pfarrhaus abstiegen, schliesslich aber ein regsames Gastgewerbe ins Leben riefen. Zuerst blühte im Tal der Kurort Lauterbrunnen auf, der mit Ross und Wagen erreichbar war.

Die Eröffnung der Bahnen brachte den Aufschwung der hochglegenen Orte Mürren und Wengen und machte das Gebiet binnen kurzer Zeit zu einem Zentrum des Tourismus, Sports und beliebter Erholung. Die bedeutendsten Verkehrsunternehmen sind in der Reihenfolge ihrer Eröffnung die Berner-Oberland-Bahnen, die Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren, die Wengernalpbahn, die Jungfraubahn und die Schilthornbahn. Der Fremdenverkehr sowohl im Sommer wie im Winter festigt die wirtschaftliche Stellung der Kurorte.

 

 

Gott gab uns Atem,
damit wir leben.

Er gab uns Augen,
dass wir uns sehn.

Gott hat uns diese
Erde gegeben,
dass wir auf ihr
die Zeit bestehn.

 

Gott gab uns Ohren,
damit wir hören.

Er gab uns Worte,
dass wir verstehn.

Gott will nicht diese
Erde zerstören.

Er schuf sie gut,
er schuf sie schön.

 

Gott gab uns Hände,
damit wir handeln.

Er gab uns Füsse,
dass wir fest stehn.

Gott will mit uns
die Erde verwandeln.

Wir können neu
ins Leben gehn.

(Text: Eckart Bücken;
RG 841)